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50 Jahre Datev

50 Jahre Datev - 50 Jahre digitale Transformation in der Steuerberatung

Von Gerhard Schmidt

29.02.2016

Es war ein bewegender Augenblick,  als sich Heinz Sebiger erhob und sich erinnerte,  wie er im Jahr 1965 zusammen mit einer Handvoll Mitstreitern die Datev gründete. 50 Jahr ist die Steuerberatergenossenschaft nun alt, und das wurde Mitte Februar im Nürnberger Opernhaus gebührend gefeiert.



50 Jahre Datev

(Quelle: Datev eG)


1965 gab es zwar schon Datenverarbeitung. Doch die geschah auf Großrechnern, die in Großunternehmen oder wissenschaftlichen Instituten standen. Die Buchführung machte der Steuerberater manuell auf Papier. Was 1965 begann, war die digitale Transformation in der Steuerberatung – von null an. Den Begriff der digitalen Transformation gab es damals freilich längst noch nicht.

Die Geschichte der Datev und der informationstechnischen Entwicklung im Einzelnen nachzuzeichnen,  sei dem Festband überlassen, den die Datev zu ihrem Jubiläum herausgegeben hat.


50 Jahre Datev

Eine Entwicklung der digitalen Transformation in der Steuerkanzlei soll dennoch noch etwas näher betrachtet werden: der Prozess der Abstraktion von Ort und Zeit der Datenverarbeitung durch den Anwender.

Anfangs war es so, dass die in der Kanzlei erfassten Daten ins Rechenzentrum geschickt wurden, dessen Berechnungs- und Auswertungsergebnisse Tage später der Postbote dann ins Haus brachte. Heute muss sich der Anwender keine Gedanken mehr darüber machen, wie schnell er seine Ergebnisse auf dem Bildschirm hat, und wo die Hardware steht, auf der seine Anwendung läuft.

Mit dem Einzug des PCs in die Büros stand vor Ort überall die für eine Kanzleisoftware benötigte Rechenkapazität zur Verfügung. Ein Rechenzentrum als „Rechen“zentrum im wörtlichen Sinne wurde nicht mehr zwingend benötigt. Inhouse-Lösungen zogen in die Kanzleien ein. Der Anwender konnte mit diesen von der (Reaktions)zeit seiner Anwendung abstrahieren.

Noch nicht aber vom Ort der Datenverarbeitung. In der Kanzlei musste die Hardware stehen, auf der seine Kanzleisoftware lief. Doch auch das sollte sich ändern. Durch immer schnellere Datennetze war es möglich, die Kanzlei-IT ohne Performanceinbußen an einen Dienstleister, einen Application Service Provider (ASP)  auszulagern. Heute steht für die verschiedenen Formen des Auslagerns der IT aus dem Unternehmen der Oberbegriff Cloud-Computing. Cloud symbolisiert sehr bildhaft die völlige Abstraktion vom Ort der IT. Der Ort kann irgendwo sein. Dass es für die Buchführung nicht ganz egal ist, wo auf dieser Welt sie stattfindet, hat nichts mit technischen sondern mit (steuer)rechtlichen Fragen zu tun.

Der Prozess der Abstraktion von Ort und Zeit der IT hat nicht nur beim Steuerberater stattgefunden sondern auch bei seinen Mandanten. Das hat zur Folge, dass sich auch die Zusammenarbeit zwischen der Kanzlei und den von ihr betreuten Unternehmen gravierend verändert. Der physische Pendelordner hat in der modernen Kanzlei längst ausgedient. Stattdessen sind Smartphone und Tablett aus der Kommunikation zwischen Kanzlei und Mandant heutzutage konzeptionell nicht mehr wegzudenken.

Bei diesem Veränderungsprozess stehen wir heute noch ziemlich am Anfang. Doch all das, was bei großen Unternehmen aktuell unter dem Schlagwort Industrie 4.0 diskutiert wird, wird früher oder später auch bei kleineren Unternehmen Thema sein. KMU 4.0, Selbstständiger 4.0, Freiberufler 4.0. Das werden morgen die Partner des Steuerberaters sein. Und die erwarten Steuerberatung 4.0.

Wir sehen, die digitale Transformation in der Steuerberatung ist nach 50 Jahren noch längst nicht am Ende. Vielleicht stehen wir gerade am Beginn ihres aufregendsten Jahrzehnts. Wünschen wir uns von der Datev, aber auch von allen anderen IT-Anbietern für die Kanzlei und deren Mandanten, für die kommende Dekade viele innovative Angebote, stimmige Lösungen und deren schnelle Akzeptanz bei den Anwendern.

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