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Steuerberater im Internet

Editorial des Email-Newsletters 07/08-2009 vom 14.08.2009

13.08.2009

Gerhard Schmidt 
Dipl.-Informatiker Gerhard Schmidt ist Chefredakteur des "IT-Forum Steuerberater-Mittelstand".

Wer sich heute nach einem (neuen) Steuerberater umschaut, wirft erst einmal einen Blick ins Internet. Und was entdeckt er da? Weite archaische Landschaften! Wahrscheinlich sind meine Beobachtungen nicht repräsentativ, doch ich habe einfach einmal die 20 ersten Ergebnisse auf mich wirken lassen, die der Steuerberater-Suchservice des DStV für die weitere Umgebung meines Wohnortes ausspuckte.

Da gibt es doch tatsächlich noch eine Kanzlei, die per Email nicht erreichbar ist (oder sein will). Und gut die Hälfte aller Kanzleien mit Email-Adresse haben Provideradressen wie @web.de, @t-online.de. Für auf den Cent schauende Privatpersonen geht das in Ordnung, doch für ein Unternehmen? Dabei haben viele für ihre Homepage eine eigene Domain und über diese sind immer auch Email-Adressen verfügbar. Warum werden die nicht genutzt?

Allerdings: fast die Hälfte der Kanzleien hat überhaupt keine Homepage. Warum tragen diese Kanzleien sich dann im Internet in ein Steuerberaterverzeichnis ein? Wer in Internet sucht, der interessiert sich nicht für schlichte Adressangaben, sondern für das Kanzleiprofil. Doch auch das liefert nicht jede Homepage. Manche begnügt sich schlicht mit einer Visitenkarte. Und welches Kanzleibild vermitteln die "echten" Internetauftritte? Der erste Eindruck: die Gestaltung ist vielfach wenig professionell. Schriften sind teils mühsam lesbar, anspruchsvollere Internettechniken werden eingesetzt aber nicht beherrscht. "Du kennst dich doch mit Computern und dem Internet aus. Kannst du mir nicht mal eine Homepage bauen?" scheint mancher Steuerberater zu seinem halbwüchsigen Sohn gesagt zu haben.

Mein nächster Blick geht ins Impressum. Das ist bei einigen unvollständig. Kann ich einem Steuerberater fachlich vertrauen, der nicht einmal die berufsständischen Impressumspflichten kennt? Und die Inhalte? Dass ein Steuerberater Steuererklärungen, Buchführungen und Jahresabschlüsse macht, ist doch selbstverständlich. Die große Liebe der Kollegen gehört offensichtlich der Existenzgründungsberatung. Das scheint von den Prioritäten her für manche Kanzlei das wichtigste (da profitabelste?) Angebot zu sein. Mich beschleicht dennoch das Gefühl, dass es mehr existenzgründungsberatende Steuerberater im Land gibt als Existenzgründer. Und was beispielsweise soll mir als (potenziellem) Mandant die - offensichtlich aus einem Content-Pool eingespielte - Meldung sagen: "Kaffeesteuer erbringt 2008 über eine Milliarde Euro für den Bund"?

Warum sollte ich mich für gerade diese Kanzlei entscheiden? Eine zwingende Antwort blieben fast alle Kanzleiseiten schuldig. Doch wie gesagt: ich schildere hier spontane Eindrücke und nicht die Ergebnisse einer repräsentativen Untersuchung. Ich kenne auch sehr überzeugende Internetauftritte von Kanzleien. Von Kanzleien, bei denen man zu Recht von einer Kanzleimarke sprechen kann. Doch bis zur profilierten Marke haben die meisten Steuerberater noch einen weiten Weg vor sich. Jedenfalls im Internet.

Ihr Gerhard Schmidt

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