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Steuerberatung verkaufen ohne Steuerberater zu sein

Editorial des Email-Newsletters 03-2018 vom 06.04.2018

31.03.2018

 
Dipl.-Informatiker Gerhard Schmidt ist Chefredakteur des "IT-Forum Steuerberater-Mittelstand".

 

Dass Unternehmen, die selbst keine Hotels besitzen, Hotelzimmer verkaufen oder dass Unternehmen die selbst keine Fahrzeuge besitzen, Taxifahrten verkaufen, ist für uns heute selbstverständlich. Booking.com oder Uber zeigen, wie das geht. Dass Unternehmen, die selbst keine Qualifikation als Steuerberater besitzen, Steuerberatung verkaufen, wird die Zukunft sein. Plattformökonomie ist der Begriff für diese Geschäftsmodelle. Der Plattform-Betreiber muss selbst keine Waren herstellen oder Dienste anbieten, er betreibt nur einen digitalen Marktplatz. Die Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen erhalten auf der Plattform Zugang zu einer großen Zahl von Kunden. Und die Kunden können an einer Stelle bequem verschiedene Anbieter vergleichen und unter ihnen auswählen.

Wer zukünftig etwa einen Steuerberater für eine Erbschaftsteuererklärung sucht, findet auf der Steuerberaterplattform dann den mit 4,7 von 5 Sternen bewerteten Steuerberater Meyer und den Steuerberater Müller, der von seinen Mandanten nur 3,8 Sternen bekommen hat. Der wesentliche Grund für den Unterschied in der Bewertung liegt darin, dass Meyer mit einem professionellen Videokonferenzsystem mit seinen Mandanten kommuniziert, während Müller neben Email und Telefon allerhöchstens einmal auf Skype zurückgreift. Dabei ist Müller fachlich deutlich besser qualifiziert. Doch das können die Mandanten nicht beurteilen. Dem Plattformbetreiber ist es gleichgültig, wer den Zuschlag bekommt. Er verdient in jedem Fall. Letztlich am Honorar des Steuerberaters.

Wenn für den Steuerberater perspektivisch kein Weg an der Plattformökonomie vorbeiführt, ist die Frage, wer diese Plattform betreibt. Ein amerikanischer Finanzinvestor oder ein deutsches Unternehmen, eine berufsständische Genossenschaft beispielsweise? „Das Plattformgeschäft machen wir!", hat der Datev-Vorstand beschlossen und begonnen, erste Plattformangebote zu entwickeln. Fast dreiviertel aller Mitliedervertreter folgen ihm aktuell bei dieser Strategie. Zu wenig, denn für die zum Plattformbetrieb nötige Satzungsänderung sind 75% der Stimmen nötig. Doch die Satzungsänderung wird kommen, sonst droht ein amerikanischer Finanzinvestor.

Einstweilen noch haben Sie als Steuerberater Zeit, sich zu überlegen, welche Schokoladenseiten Ihrer Kanzlei Sie auf einer zukünftigen Plattform präsentieren wollen.

Ihr Gerhard Schmidt

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