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CeBIT-Rückblick 2010

Der zukünftige Markt für Kanzleisoftware und seine Herausforderungen

Von Gerhard Schmidt

31.03.2010

Gerhard Schmidt 
Dipl.-Informatiker Gerhard Schmidt ist Chefredakteur des "IT-Forum Steuerberater-Mittelstand".

Für den an Softwarebranchenlösungen für die Kanzlei Interessierten wird die CeBIT immer übersichtlicher. In nur zwei Messehallen konzentrieren sich die Aussteller. In der einen die DATEV, in der anderen die Addison-Gruppe, hmd und Simba. Vor Jahren präsentierten sich noch doppelt so viele Softwareanbieter für Steuerberater in Hannover. Nicht dass die CeBIT für diese an Attraktivität verloren hätte. Ganz im Gegenteil, ihre Messestände waren größer und repräsentativer denn je. Die geringere Anzahl von Ausstellern ist Ausdruck des Konzentrationsprozesses und der Neuordnung am Markt für Kanzleisoftware. Dass hier vieles in Bewegung war, konnte in den letzten Jahren gerade auf der CeBIT beobachtet werden. Drei Größen werden in den nächsten Jahren den Markt bestimmen, eine bekannte und zwei als Kanzleisoftwareanbieter weitgehend unbekannte: die DATEV, die Wolters Kluwer Deutschland GmbH sowie der ETL-Verbund.

Die Wolters Kluwer Deutschland GmbH hat in ihrer Tochter Wolters Kluwer Deutschland Software+Services GmbH die Marken Addison, cs:Plus (früher Schleupen), tse:nit (früher Wago-Curadata), VBS-Agrosoft  (Software für landwirtschaftliches Rechnungswesen), Annotext (Software für Rechtsanwälte) und Trigon Data (Software für Notare) zusammengeführt. Der internationale Informationsdienstleister Wolters Kluwer mit Sitz in Amsterdam ist nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von über 1,2 Milliarden Euro weltweit heute bereits der größte und ertragsstärkste Anbieter im Bereich Software und Services für Steuerberater, juristische Organisationen und den Mittelstand. Teil der Verlagsgruppe sind unter anderem auch die Verlage Carl Heymanns und Luchterhand.

Zum ETL-Verbund gehören neben den über 650 Steuerberaterkanzleien von ETL European Tax & Law e.V. seit 2009 auch die hmd Software AG sowie die eurodata GmbH & Co. KG (Softwarehaus und Rechenzentrum).

Die Unternehmenskonstellationen zeigen: Zukunftsfähige Angebote müssen über die reine Software hinausgehen, die Anbieter breit und stabil aufgestellt sein. Das kann wie im Falle von Wolters Kluwer bedeuten, Fachinformation und Branchensoftware aus einem Haus anzubieten oder wie beim ETL-Verbund, dass der Kanzleisoftwareanbieter eines der modernsten und leistungsfähigsten Rechenzentren Europas im Hintergrund hat. Bereits seit Jahren breit aufgestellt mit Angeboten für Software, Rechenzentrumsdienstleistungen und Fachinformation ist die DATEV.

Wohin wollen die Softwareanbieter ihre - aktuellen und zukünftigen - Kunden mitnehmen? Aufschluss darüber versprach ein Kompetenzgespräch, zu dem sich auf Einladung der hmd Software AG für eine Stunde eine hochkarätige Runde zusammengefunden. Thema: "Die Reaktion der Softwareanbieter auf den Spagat der Berufsträger zwischen Qualitätsanforderungen, Kostendruck und den Anforderungen des Gesetzgebers".

Auf dem Podium saßen: Michael Brhel (Geschäftsführer der Simba Computer Systeme GmbH), Dr. Ludger Kleyboldt (Geschäftsführer der Verlag Neue Wirtschafts-Briefe GmbH & Co. KG), Martin Moser (Aufsichtsratsvorsitzender der hmd-software ag) als Moderator, Markus Reithwiesner (Haufe-Lexware GmbH & Co. KG), Dr. Michael Röchner (Geschäftsführer der Addison Software und Service GmbH), Eckhard Schwarzer (Vorstand der DATEV eG), Karl-Heinz Siebenpfeiffer (Geschäftsführer der eurodata GmbH & Co. KG) und StB Franz-Josef Wernze, (Vorstand des ETL European Tax & Law e.V.).

So energisch sich die Diskutanten am Markt sonst gegenüberstehen, so überraschend einig waren sie sich in der Beurteilung der Herausforderungen, vor denen der Berufsstand in den kommenden Jahren steht.

Für eine dieser Herausforderungen benutzte Eckhard Schwarzer das Bild der Datenautobahn, durch die alle Beteiligten vernetzt sind. Diese ist nicht nur für Themen wie ELENA oder E-Bilanz von Bedeutung, sondern auf ihr finden immer mehr Belege und Informationen zwischen Steuerberater und Unternehmen ihren Weg. Die Daten, die so in Kanzlei kommen, lassen sich heute fast automatisch verbuchen, so Karl-Heinz Siebenpfeiffer. Das schafft Preis- und Kostendruck. Gegen diesen kann (nach Dr. Michael Röchner) die Kanzlei nur bestehen, wenn sie die Automatisierung vorantreibt. Und ihre Prozesse optimiert.

Die Prozessorientierung war ein weiterer Schwerpunkt in der Diskussion. Dr. Michael Röchner sieht hierin einen Paradigmenwechsel. Ging es früher darum, dass die Software manuelle Tätigkeiten übernahm, so geht es heute darum, die Anforderungen an den Steuerberater in die Kanzleiprozesse einzubinden. Steuerberater sind allerdings kleine Rädchen, wandte Markus Reithwiesner ein. Zwischen Unternehmen und Kanzlei geteilte Prozesse sind heute nicht mehr haltbar.

Konsens bestand auch darin, dass sich die Geschäftsmodelle es Steuerberaters ändern werden. Das Volumengeschäft wird abwandern, die Beratung wird wichtiger, Mitarbeiter müssen anders qualifiziert sein, die Wertschöpfung geschieht an anderen Stellen (Reithwiesner). Gravierende Änderungen in den nächsten fünf Jahren sieht auch Franz-Josef Wernze. Kundendienstleistungen werden im Vordergrund stehen. Mit anderen Aufgaben ändern sich auch die Honorare. Und: Dienstleistungen ohne Rechenzentrum werden nicht möglich sein. Beratungsqualität wird nach Michael Brhel künftig gefordert. Dazu muss sich die Kanzlei Beratungsschwerpunkte setzen. In diese Richtung argumentierte auch Eckhard Schwarzer: Die kleine Kanzlei habe nur eine Überlebenschance, wenn sie sich in der Beratung spezialisiert. Der Berufsstand als Ganzes müsse sich als Intermediär zwischen Unternehmen und Finanzverwaltung positionieren. Als "Hausarzt des Mittelstandes" sieht Dr. Michael Röchner die zukünftige Rolle des Steuerberaters. Ob dieser Aussichten müsste der Berufsstand eigentlich besorgt sein. Ist er aber nicht. Das besorgt wiederum Franz-Josef Wernze: "Man muss dem Berufsstand sagen, was er tun soll." Eckard Schwarzer sieht dagegen doch eine gewisse Sensibilität im Berufsstand etwa beim Thema Fachberater.

Wo werden Software und Daten zukünftig sein? Inhouse? Im Rechenzentrum? In der Wolke (Cloud)? Virtuelle Welten und Cloud-Computing sind für Dr. Michael Röchner die nächste Generation. Eine Kombination verschiedener Technologien. Alle müssen sich dabei öffnen. Eckhard Schwarzer ist das zu wolkig. Er präferiert einen Hybridansatz mit Rechenzentren und Serverlandschaften. Für Michael Brhel gibt es in dieser Frage kein Königsweg. Zu unterschiedlich seien die Interessenlagen.

Als bisher ungelöstes Problem wurde schließlich noch die Integration von Steuerrechtsinformationen in die Software zur Leistungserstellung identifiziert. Die Information muss an der richtigen Stelle zur Verfügung stehen, so Eckhard Schwarzer. Nicht bei einfachen Buchführungsfragen, sondern bei anspruchsvollen Beratungsproblemen. Für diese Art Integration muss die Information ganz anders aufbereitet sein, konstatierte Dr. Ludger Kleyboldt

Die fast gravierendsten Unterschiede gab es bei der Einschätzung der Fortschrittlichkeit der Steuerberater. Dr. Ludger Kleyboldt sieht beim Berufsstand ein großes Beharrungsvermögen. Der Steuerberater sehe sich mehr als Steuerfachmann denn als Unternehmer und so mahnte er hier eine professionellere Arbeit in der Kanzlei an. So konservativ dagegen sieht Markus Reithwiesner seine Anwender nicht. Dennoch: Neue Themen werden teilweise nur zögerlich angenommen. Frühen Pionieren folgt aber irgendwann dann auch die Masse.

Gespannt erwarten wir die CeBIT 2011. Es ist ins Auge gefasst, das Kompetenzgespräch dort fortzusetzen. Dann werden wir sehen, mit welchem Tempo sich der Berufsstand in welche Richtungen bewegt hat.


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