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CeBIT-Rückblick 2011

Von Gerhard Schmidt

30.03.2011

Gerhard Schmidt 
Dipl.-Informatiker Gerhard Schmidt ist Chefredakteur des "IT-Forum Steuerberater-Mittelstand".

Wie wolkig wird die Zukunft der Kanzlei-IT sein? Was gibt es Neues für den Steuerberater? Wie hat sich der Softwaremarkt im letzten Jahr entwickelt? Die CeBIT 2011 gab dazu einigen Aufschluss.

Kompetenzgespräch

"Work and Life with the Cloud" war das Schwerpunktthema der CeBIT 2011. So war es nahe liegend, dass Cloud Computing auch im Mittelpunkt des Kompetezgesprächs stand, zu dem sich Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte der Anbieter von Software, IT-Dienstleistungen und Medien für Steuerberater und deren Mandanten in diesem Jahr zum inzwischen zweiten Mal während der Messe trafen.

Auf dem Podium saßen: Michael Brhel (Geschäftsführer der Simba Computer Systeme GmbH), Dr. Ludger Kleyboldt (Geschäftsführer der Verlag Neue Wirtschafts-Briefe GmbH & Co. KG), Ralf Kurka (Geschäftsführer der Addison Software und Service GmbH), Martin Moser (Aufsichtsratsvorsitzender der hmd-software ag) als Moderator, Markus Reithwiesner (Haufe-Lexware GmbH & Co. KG), Eckhard Schwarzer (Vorstand der DATEV eG), Karl-Heinz Siebenpfeiffer (Geschäftsführer der eurodata GmbH & Co. KG).

Was ist wirklich neu am Cloud-Computing? Worin unterscheidet es sich von Rechenzentrumsdienstleistungen, Outsourcing, ASP (Application Service Providing) oder SaaS (Software as a Service), Erscheinungsformen der Softwarenutzung, die wir schon viele Jahr(zehnt)e kennen? Eine plausible Antwort lieferte nicht die Runde aus dem Anbietermarkt - der schon längst wie auch immer geartete Cloud-Lösungen anzubieten behauptet - sondern ein wissenschaftlich besetztes Podium, veranstaltet von der Gesellschaft für Informatik (GI) und dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Die Selbstbedienungsmöglichkeit wurde hier als neue Eigenschaft des Cloud-Computing identifiziert. Genau dann eine Software zur Verfügung gestellt zu bekommen, wenn sie benötigt wird, ohne zeitaufwändigen vorgelagerten Bestell- und Installationsprozess.

Den einzelnen Teilnehmern des Kompetenzgesprächs bestimmte Erfahrungen, Einschätzungen oder Positionen zuzuordnen, wäre wenig aufschlussreich, da sich bezüglich des Cloud-Computing keine grundsätzlichen Differenzen zeigten, sondern höchstens graduelle Unterschiede. Im Folgenden daher eine Zusammenfassung der Diskussion.

Das Interesse an mobilen Lösungen - für die Kanzlei wie die Mandanten - zeigt sich als bereits überraschend groß und es wird wohl weiter stark zunehmen. Information soll immer dann und dort zur Verfügung stehen, wo sie gerade benötigt wird. Das leisten nur internetbasierte Lösungen. Deren besonderer Nutzen wird insbesondere in den Prozessen zwischen Steuerberater und Mandant gesehen. Portal beispielsweise, über die in beide Richtungen Daten und Belege sicher ausgetauscht werden können.

Die Sicherheit spielt bei den sensiblen Kanzleidaten eine besonders große Rolle. Da die Kanzlei-IT immer komplexer wird, wird es bei einer Inhouse-Lösung auch immer schwieriger, IT-Sicherheit in Eigenregie zu gewährleisten. Ein externer Dienstleister mit einem Rechenzentrum im Hintergrund, kann vielfach einen höheren Grad an Sicherheit bieten. So wird in absehbarer Zeit wohl erst einmal der Hybridansatz des Cloud-Computing interessant mit aufeinander abgestimmter IT-Nutzung lokal und online. Mit generellem Trend in die Wolke, der analog zur historischen Entwicklung der Stromversorgung für die Industrie gesehen werden kann. Hatte während der Industrialisierung jedes produzierende Unternehmen seine eigene Stromproduktion, so bezieht es heute dank stabiler Infrastruktur und Normierung seine Elektrizität aus dem Stromnetz.

Nicht nur bei der Softwarenutzung geht der Trend zu "on demand", sondern auch bei der (Fach)informationsbeschaffung. Statt Lesen und Lernen auf Vorrat ist hier eine zunehmende "Googelisierung" zu beobachten. Ebenso eine gestiegene Nachfrage nach Online-Seminaren oder Videos anstelle gedruckter Information. Diese neue Form der spontanen Informationsbeschaffung registrieren auch die Softwarehersteller an ihrer Hotline. Statt technischer Probleme laufen dort immer mehr fachliche Fragen auf, die hier eigentlich gar nichts zu suchen haben. Eine Möglichkeit darauf zu reagieren, ist eine Kostenpflicht für fachliche Auskünfte an der technischen Hotline. Oder die technische Hotline wird zur umfassenden Serviceline weiterentwickelt. Aus dem spontanen Informationsbedarf des Kunden wird ein neues Dienstleistungsgeschäft generiert.

Am Ende des Kompetenzgesprächs wurde das Thema E-Bilanz aufgegriffen, das nach einhelliger Einschätzung bisher am Berufsstand weitgehend vorbei ging. Die Einstellung "Die Softwarehersteller werden es schon richten," greift viel zu kurz. Das Buchungsverhalten muss sich ändern. Dazu müssen die Sachbearbeiter umlernen. Und die Kanzleiführung in deren Schulung entsprechend investieren.

Marktentwicklung

Der Konzentrationsprozesses und die Neuordnung am Markt für Kanzleisoftware waren auf der CeBIT 2010 erkennbar abgeschlossen. Seitdem geht es um die Konsolidierung der neuen Strukturen. Am augenfälligsten war dies in diesem Jahr bei Addison. Addison verfolgt bei seinen Softwareangeboten eine Mehrmarkenstrategie. Neben der Marke Addison, stehen Addison tse:nit (Ursprung Wago-Curadata) und Addison cs:Plus (Ursprung Schleupen) als eigene Produktmarken. Interessant wird hier sein, ob bei dieser Strategie zukünftig tatsächlich eine Balance angestrebt wird zwischen der individuellen Markenbindung der Anwender einerseits und einem aus technischen und wirtschaftlichen Gründen notwendigen Plattformkonzept, wie wir es aus der Automobilindustrie kennen.

"My Style of Business" ist nicht nur der neue Claim von Addison, sondern charakterisiert  generell das heutige Verhältnis von Anbietern und Anwendern von Kanzleisoftware. Die technischen und funktionalen Eigenschaften der Software sind längst nicht mehr das entscheidende Kriterium für eine Partnerschaft, vielmehr zählt immer stärker eine möglichst große Überschneidung im "Style of Business".

Messerundgang

Das zeigte sich auch beim Messerundgang. Innovative Messehighlights waren auch in diesem Jahr nicht zu sehen. Dagegen an vielen Stellen evolutionäre Weiterführungen existierender Ansätze. So stehen die nachfolgend beschriebenen Beobachtungen überwiegend exemplarisch für Konzepte und Lösungen, die so oder ähnlich auch bei anderen Ausstellern zu sehen waren.

Simba zeigte erstmals sein "Mandanten-Monitor-App" für Smartphones. Mobil und on demand kann der Steuerberater damit alle wichtigen Mandantendaten abrufen: Stamm- und Bewegungsdaten, Informationen aus der Kanzleiverwaltung, wie Offene Posten oder den Stand der Buchhaltung. Die gewünschten Daten können in übersichtlichen Tabellen oder Grafiken dargestellt und individuell angeordnet werden.

Das neue Online-Portal für Steuerberater von Addison ermöglicht neben einer Kommunikationsplattform zum Mandanten auch dessen Einbindung in diverse Prozessabläufe: Vom Online-Kassenbuch, der Übermittlung von digitalen Belegen und deren Archivierung, Online-Auswertungen für den Mandanten bis hin zum Online-Zahlungsverkehr gibt es diverse Applikationen, die die Zusammenarbeit mit dem Mandanten stark vereinfachen.

Mit Bankkonto online erweitert die DATEV ihre browserbasiertes Paket Unternehmen online um eine Lösung zur komfortablen Verwaltung der Bankkonten eines Unternehmens. Mit der neuen Funktion lassen sich sämtliche Konten, die ein Unternehmen auch bei verschiedenen Banken unterhält, zentral und übersichtlich betrachten. Für Kontobewegung sucht das System automatisch aus dem Bestand der Ein- und Ausgangsrechnungen sowie der im Online-Archiv befindlichen digitalisierten Belege die zuzuordnenden Dokumente heraus. Nachdem der Zuordnungsvorschlag bestätigt wurde, wird die Kontobewegung künftig angereichert um die Information zum entsprechenden Beleg dargestellt.

Eine webbasierte Lösung war auch am Stand von SBS Software zu sehen. Der LohnButler ermöglicht eine dezentrale Erfassung von Lohndaten, unabhängig von dem eigentlichen Lohnabrechnungssystem und dem Standort der Erfassung. Eine interessante Lösung für Unternehmen mit Filialen oder Heimarbeitskräften.

RR Systemhaus Reich zeigte das neue Controllingsystem seiner Kanzleiorganisationssoftware RR-Kanzlei mit leistungsfähigen Auswertungen, die neueste Version der Lösung für Mitarbeiter- und Auftragsplanung sowie einfach anpassbaren Lösungen zum Wissensmanagement.

Als Komplettierung des hmdpro Konzeptes präsentierte hmd INFOpro. Hier werden alle täglich anfallenden Tätigkeiten in der Kanzlei wie Termine, Postein- und Ausgänge, Fristen, Bescheide und Terminvorbereitungen in einem einzigen Programm vereint; konsequent nach der "OnePlaceStrategie", bei der alle Dokumente, Daten, Programme etc. eines Mandanten in einem einzigen Arbeitsbild ausgewiesen werden.

Fazit der CeBIT 2011: Die Zukunft der Kanzlei-IT gehört webbasierten und mobilen Lösungen, die ein Informationsbedürfnis "on demand" befriedigen. Interessant wird sein, wie schnell und extensiv die Entwicklung in diese Richtung - nennen wir sie ruhig Cloud-Computing - gehen wird. Denn nach wie vor haben die IT-Anbieter mehr innovative Ideen auf Lager als von den Anwendern Innovationen am Markt nachgefragt werden.

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